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Nicht ohne „Hansemil“ – Hessens längster Blaulicht-Festzug

Bei Temperaturen, bei denen selbst der Asphalt überlegte, sich krankzumelden, feierte der Kreisfeuerwehrverband Gießen am letzten Juni-Wochenende sein 80-jähriges Bestehen.

Unser Oldtimer „Hansemil“ durfte dabei selbstverständlich nicht fehlen – wer so viel Charakter auf vier Rädern mitbringt, wird schließlich nicht eingeladen, sondern erwartet.

84 historische Feuerwehrfahrzeuge machten sich auf eine rund 80 Kilometer lange Strecke durch den Kreis Gießen – ein Korso, bei dem Oldtimer-Herzen höher schlugen, Kameras Überstunden machten und so manches moderne Auto vermutlich vor Ehrfurcht den Warnblinker setzen wollte.

Prominentester Zuschauer war Roman Poseck, Hessens Innenminister, der sich von den historischen Schmuckstücken sichtlich beeindruckt zeigte – und das völlig zu Recht, denn so viel gepflegte Feuerwehrgeschichte fährt einem schließlich nicht alle Tage vor die Nase.

Landrätin Anita Schneider und Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert wurden im offenen Borgward B2000, ehemals im Dienst der FF Lauter, standesgemäß chauffiert – mit Frischluftgarantie und Frisur-Risiko. Der Erste Kreisbeigeordnete Christopher Lipp wartete derweil mit zahlreichen Schaulustigen am Rathaus in Lich.

In 13 Gruppen organisiert ging es in Lich los. Vor dem Start gab es Lunchpakete – denn bei Hitze, Nostalgie und 80 Kilometern Strecke sollte höchstens der Motor brummen, nicht aber der Magen oder Kopf der menschlichen Teilnehmer.

Über Hungen, Villingen, Laubach, Grünberg, Alten-Buseck, Lollar, Gießen, Steinbach und viele Ortschaften dazwischen schlängelte sich der Tross schließlich wieder zurück nach Lich – ganz ohne Navi-Gezeter, dafür mit ordentlich Charme, Chrom und „Guck mal, der da!“-Momenten am Straßenrand.

Rund vier Stunden dauerte es, bis alle Fahrzeuge wieder in Lich eintrafen. Zwischendurch wurde immer wieder kurz pausiert – offiziell für Fotos, inoffiziell vermutlich auch, damit Mensch und Maschine einmal tief durchatmen konnten.

Sebastian Moos, Organisator und stellvertretender Vorsitzender des Vereins Historische Feuerwehrtechnik im Landkreis Gießen, zeigte sich sehr erfreut, das Ziel erreicht zu haben: „Mindestens 80 Fahrzeuge sollten es werden!“ – geworden ist daraus ein rollendes Geburtstagsständchen mit Überlänge und eingebautem Wow-Effekt.

Mittendrin natürlich unser Oldtimer „Hansemil“, diesmal besetzt mit Wolfgang Bergens, Niko Tursky und Sascha Pietz. Trotz der hohen Temperaturen lief der Oldie, Baujahr 1956, wie am Schnürchen – ganz so, als wolle er den jüngeren Fahrzeugen zeigen, wie man mit Stil altert. Den Zuschauern am Straßenrand bereitete er hoffentlich viel Freude; uns jedenfalls auf jeden Fall.